Verschwörungserzählungen über Barcodes
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Barcodes sollen der Überwachung dienen oder Strahlung auf Lebensmittel übertragen? Klingt absurd und doch glauben es mehr Menschen als man denkt.
Barcodes gehören seit Jahrzehnten zum Alltag. Sie finden sich auf nahezu allen Konsumgütern und ermöglichen eine schnelle, effiziente Erfassung von Produkten im Handel. Dennoch ranken sich um die schwarzen Streifen verschiedene Verschwörungstheorien. Besonders verbreitet sind Behauptungen, Barcodes dienten der Überwachung von Menschen oder stellten eine gesundheitliche Gefahr durch angebliche Strahlung dar; Annahmen, die halten einer sachlichen Überprüfung nicht standhalten.
Die Überwachungsbehauptung
Eine häufige Verschwörungserzählung besagt, Barcodes seien ein Instrument der Totalüberwachung. Anhänger dieser Theorie gehen davon aus, dass über Barcodes Einkaufsverhalten einzelner Personen erfasst, gespeichert und ausgewertet werde – etwa durch Staaten oder große Konzerne.
Tatsächlich enthalten Barcodes keinerlei personenbezogene Informationen. In gängigen Systemen wie dem EAN- oder UPC-Code ist ausschließlich eine standardisierte Produktnummer hinterlegt. Diese verweist auf einen Artikeltyp, nicht auf eine kaufende Person. Der Barcode selbst ist ein passives Druckelement: Er speichert keine Daten, sendet keine Signale und kann ohne ein externes Lesegerät keinerlei Informationen übertragen.
Die Erfassung von Kaufdaten erfolgt – sofern überhaupt – über andere Systeme, etwa Kundenkarten oder digitale Bezahlmethoden, nicht über den Barcode auf dem Produkt. So werden z.B. bei Kundenbindungsprogrammen Barcodes auf Kundenkarten eingesetzt, um Käufer*innen zu identifizieren und deren Einkäufe zuzuordnen – die bloßen Produkt-Barcodes leisten dies nicht.
Die Behauptung von schädlicher Strahlung oder „negativer Energie“
Eine zweite, vor allem in esoterischen und pseudowissenschaftlichen Kontexten verbreitete Theorie behauptet, Barcodes würden schädliche Strahlung aussenden oder „negative Energie“ auf Lebensmittel übertragen. Teilweise wird auch angenommen, der Scanvorgang an der Kasse schade der Produktqualität oder Gesundheit.
Auch diese Behauptung ist wissenschaftlich nicht haltbar. Barcodes bestehen aus Druckfarbe auf Papier oder anderem Verpackungsmaterial. Sie enthalten keine elektronischen Bauteile, keine Antennen und keine Energiequellen. Ein Barcode kann weder Strahlung erzeugen noch speichern.
Beim Scannen wird der Code optisch mit Licht ausgelesen, meist durch eine LED oder einen schwachen Laser. Dabei handelt es sich um sichtbares Licht, vergleichbar mit dem Licht einer Taschenlampe. Es entsteht keine ionisierende Strahlung, keine Mikrowellenbelastung und keine Veränderung des Produkts. Fachstellen wie das Bundesamt für Strahlenschutz sehen in Barcodes keinerlei gesundheitliches Risiko.
Ursprung und Verbreitung der Theorien
Die Verschwörungstheorien rund um Barcodes entstanden vor allem in den 1980er-Jahren, einer Zeit, in der automatisierte Kassensysteme zunehmend verbreiteter wurden. Die neue Technologie rief Unsicherheit hervor, die in bestimmten religiösen, esoterischen oder technikskeptischen Milieus aufgegriffen wurde.
In den USA verbanden einige christlich-fundamentalistische Gruppen Barcodes mit apokalyptischen Bibelauslegungen. So wurde behauptet, in jedem Strichcode stecke die biblische „Zahl des Tieres“ 666 – etwa weil bestimmte Trennbalken im Code fälschlich als drei Sechsen interpretiert wurden.
Später wurden die Erzählungen in esoterischen Kreisen aufgegriffen und um energetische oder pseudowissenschaftliche Argumente ergänzt. Aus vermeintlich „schlechten Schwingungen“ und Antennenwirkungen entwickelten sich Narrative, die Barcodes etwa eine dauerhafte „Energie-Belastung“ von Produkten zuschrieben.
Mit der Verbreitung des Internets fanden diese Vorstellungen ein neues Publikum und werden bis heute in sozialen Netzwerken, Blogs und Foren weiterverbreitet. Selbst größere Biomarken reagierten zeitweise auf die Ängste – beispielsweise druckten Hersteller wie Rabenhorst und Sonnentor eine angeblich neutralisierende Linie über ihre Barcodes, zogen diese Maßnahme aber nach Kritik wieder zurück.
Hinter Erzählungen wie Strahlenvergiftung oder Überwachung durch Barcodes steht der Glaube dunkle Mächte wollten der Menschheit schaden. Denn irgendwer muss Barcodes ja absichtlich so herstellen, dass sie Strahlung aussenden oder Bürger*innen überwachen. Die angeblich dahinterstehenden Interessen werden als „böse“ und „sinister“ imaginiert. Oft wird es verbunden mit Vorstellungen mächtiger Eliten oder geheimer Regierungen, die die Menschen überwachen wollen oder durch schadhafte zur Populationskontrolle verbreiten würden. Diese Erzählungen sind nicht nur falsch, sie schließen auch an den Mythos der jüdischen Weltverschwörung an, der zutiefst antisemitisch ist.
Fazit
Barcodes sind ein rein technisches Hilfsmittel zur Produktkennzeichnung. Sie dienen weder der Überwachung von Menschen noch stellen sie eine gesundheitliche Gefahr dar. Die entsprechenden Verschwörungstheorien beruhen auf Fehlinterpretationen, Angst vor Technik und fehlendem Verständnis grundlegender technischer und physikalischer Zusammenhänge.
Aufklärung über solche Mythen ist wichtig, weil sie exemplarisch zeigen, wie sich unbegründete Ängste und Desinformation festsetzen können – und wie notwendig eine faktenbasierte Einordnung ist.
Zum Weiterlesen:
Stiftung Warentest: Verpackungen: Die Angst vor dem Barcode
ChannelPartner: Verschwörungstheorien zu QR-Codes und Strichcodes
Diagraph: EAN Code – Erklärung, Beispiele und Einsatz in der Industrie
Etikettenwissen: Strichcode-Verschwörung
Claudia Becker in WELT: Im Barcode des Teufels steckt immer die 666
Fabian Schmidt im SPIEGEL: Die Barcode-Verschwörung: Warum manche Hersteller ihre Strichcodes "entstören"
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Seit Jahrzehnten halten sich Verschwörungsmythen, nach denen Barcodes Menschen ausspionieren oder Lebensmittel „belasten“ sollen. Spoiler: Ein Barcode ist einfach nur Druckfarbe. Keine Antenne, kein Chip, keine Geheimpläne.
Warum solche Mythen trotzdem immer wieder auftauchen, was Religion, Esoterik und Technikangst damit zu tun haben – und warum Fakten hier eindeutig sind, erklären wir euch in den Slides.
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Du willst mehr wissen?
Hier findest du die klassischen antisemitischen Verschwörungsmythen, auf denen diese Erzählung aufbaut.

