Ritualmordlegende

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Geheime Rituale, in denen Kinder gequält werden und ihr Blut getrunken wird? 
Klingt wie aus einem Horrorfilm, ist aber der Inhalt eines alten antisemitischen Mythos, der seinen Ursprung in antijüdischen Erzählungen des 12. Jahrhunderts hat.

Fakten

Classics Fakten
  • Ursprung im 12. Jahrhundert
  • Vorwurf Juden würden Kinder für religiöse Zeremonien töten
  • Angeblich trinken des Blutes oder Verwendung zum Backen von Mazze
  • Aktualisierung über die Zeit als antisemitische Erzählung über jüdische Wesensmerkmale
  • Heute vor allem im Kontext von Israel und QAnon anzufinden

Classics Abschnitte
Ursprung der Legende

Bereits im 12. Jahrhundert wurden Juden beschuldigt, verantwortlich für das unerklärliche Verschwinden von Kindern zu sein. Zunächst erzählte man sich, sie würden die Kinder, meist Knaben, Foltern, um so die Leiden Christi an ihnen erneut durchzuführen. Ein Hinweis darauf, das man den Juden auch die Schuld am Tod Jesu gab, was auf den Mythos des Gottesmords hindeutet. Später kam dann noch das angebliche Blutritual hinzu, in dem das Blut der Knaben zum Zubereiten von Mazze verwendet werden würde. Die Erzählung, den Knaben seien die Leiden Christi angetan worden, zeigt sehr deutlich, dass es sich hier um eine spezifisch christliche Formulierung des Antijudaismus handelt, also der Feindschaft gegen Jüdinnen und Juden als (Religions-)Gemeinschaft. 

Eine weitere Besonderheit ist die Fokussierung auf das Blutritual, das nichts mit dem Judentum zu tun hat, aber dafür umso mehr mit der Mystik um Blut im Christentum. Dem Blut Jesu kommt eine besondere Bedeutung zu, es wird symbolisch sogar beim Abendmahl oder Kommunion getrunken. Die christliche Mehrheitsgesellschaft war also, anders als die Juden, sehr vertraut mit Ritualen rund um Blut. Das zeigt deutlich, dass die Verschwörungserzählungen eine spezifische Funktion für die Mehrheitsgesellschaft hatten und auf ihre Gewohnheiten angepasst waren, statt irgendeinen Realitätsbezug im Judentum zu haben. 

Aktualisierung im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert aktualisierte sich dieser alte Mythos dann. In der bürgerlichen Gesellschaft trat die Bedeutung von Kirche und Christentum etwas in den Hintergrund. Stattdessen wurden pseudowissenschaftliche Belege für alte Ausgrenzungsmuster gesucht. So waren es dann in den Erzählungen vor allem Mädchen und Jungfrauen, die angeblich für die Rituale entführt würden, was eine Anpassung an die Moralvorstellung der Zeit zeigt. Denn waren es früher noch Knaben, die ein Symbol der Unschuld waren, sind es zu diesem Zeitpunkt eben Mädchen. 

Und noch eine Sache änderte sich im 19. Jahrhundert: statt Juden als Mitglieder einer (Religions-)Gemeinschaft zu sehen, wurden ihnen in der rassistischen Manier der Zeit nun unveräußerliche Wesensmerkmale zugeschrieben, die sie als angebliche Rasse definieren würden. Dieser moderne Antisemitismus unterschied sich insofern dann auch bei der Erzählung über Ritualmorde, als dass es dann nicht mehr konkrete Gemeinden oder einfach nur „die jüdische Gemeinschaft“ waren, die mit solchen Legenden in Verbindung gebracht wurden, sondern „der Jude an sich“. Die Lust an Blut und Mord wurde zu einem unveräußerlichen Wesensmerkmal jüdischer Menschen umgedeutet. Somit gab es aus den antisemitischen Zuschreibungen – anders als früher, als man durch Konvertieren den Anschuldigungen entkommen konnte – auch keinen Ausweg mehr.

Moderne Erscheinungen

Diese rassistisch-antisemitische Ideologie war fester Bestandteil des nationalsozialistischen Weltbildes und bestand auch danach fort, wenn auch oft in Chiffren, Codes und Andeutungen. Heute findet sich der Mythos des Ritualmordes z.B. bei der QAnon-Bewegung, die glaubt, eine geheime Elite würde Kinder gefangen halten und ihr Blut trinken. Und auch in Bezug auf den Staat Israel werden aktualisierte Formen des alten Mythos verwendet, wenn bspw. Auf Demonstrationen der Spruch „Kindermörder Israel“ gerufen wird. 

Zum Weiterlesen:

Rainer Erb (Hrsg.): Die Legende vom Ritualmord : zur Geschichte der Blutbeschuldigung gegen Juden, 1993.

Deutschlandfunk Kultur: Antisemitische „Fake News“: Die fürchterlichen Folgen der Ritualmordlegende

Bild eines angeblichen Ritualmordes durch Projektlogo gestört
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Geheime Rituale, in denen Kinder gequält werden und ihr Blut getrunken wird? Klingt wie aus einem Horrorfilm, ist aber der Inhalt eines alten antisemitischen Mythos, der seinen Ursprung in antijüdischen Erzählungen des 12. Jahrhunderts hat.

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